Vendée Globe und so…

Irgendwie kommt man sich schon etwas komisch vor. Da plant und organisiert man eine wohl gut sechs Jahre dauernde Reise um die halbe Welt, und dann flattert einem der aktuelle Stand der Vendée Globe Regatta in den Posteingang. Nur 84 Tage brauchte der erstplazierte Michel Desjoyeaux mit seiner Fonica um einmal den Globus zu umrunden. Das sind weniger als vier Prozent der Zeit, die ich im Moment einplane und bei der ich mir noch nicht mal sicher bin, dass sie vielleicht doch etwas knapp kalkuliert ist…

Michel Desjoyeaux (Foncia) finished after 84 days 3 hours, 9 minutes

Man kann natürlich einwerfen, dass diese Extremsegler alle etwas schummeln: Dicht genug an einem der Pole kann man die Erde sogar mehrmals an einem Tag umrunden und die Vendée Globe Skipper nutzen diesen Trick, indem sie einen Großteil der Regattastrecke in hohen Breiten auf dem Boulevard der Tiefdruckgebiete verbringen. Auch, wenn der Atlantik-Törn von Frankreich in die Arktis und zurück zum Startpunkt noch dazu gerechnet wird. Aber einfach machen es sich die Skipper dieser Racer damit sicher trotzdem nicht, denn wer dort unten segelt, lernt schnell, dass auch Rückenwind über 60 Knoten nur wenig angenehm ist. Und wenn man die kleinen Crews kennen lernt, sind es irgendwie bescheidene Menschen die ihre eigenen Möglichkeiten angesichts dieser Naturkräfte sehr genau zu kennen scheinen. Aber ein bisschen verrückt muss man schon sein wenn man sich eine kürzere Route erkauft, indem man direkt in ein Mistwetter dieses gigantischen Ausmaßes hineinsegelt und sich vom ständigen Dauersturm in den Sreaming Fifties um die Antarktis jagen lässt. Stürme, die dort seit Urzeiten ihren Kreis um die eisbedeckte Oberfläche des südlichsten Kontinents drehen. Sie treiben dabei einen Meeresstrom an, der mit seiner Masse und Kraft den Golfstrom als tropfenden Wasserhahn erscheinen lässt. Dieser Zirkumpolarstrom und die unablässigen Winde haben genug Kraft, um auf das Wettergeschehen der ganzen Welt Einfluss zu nehmen.

Als Fahrtensegler alter Schule ohne Kohlefaserrumpf und Kevlarwanten setze ich mich dann doch lieber wieder mit Jimmy Cornells „Segelrouten der Weltmeere“ an den Schreibtisch und überlege, ob ich vor Anker an einem Südpazifikatoll Probleme mit der Taifunsaison bekommen würde, wenn ich noch einen Monat länger „Urlaub“ in der Karibik einplane – Obwohl, ich könnte doch auch einen Abstecher nach Elephant Island machen, der nördlichsten Insel der Antarktis (61°S / 55° 10′ W).



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