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Fertig
Vom Schleusen in Kiel Holtenau merkt man nicht viel. Ein Klingeln, dann sperrt das Tor hinter einem die Ostsee aus. Paulinchen geht an einem der Schwimmstege längs und ich steige die Leiter und Treppen hinauf zum Schleusenwerter, der die Kanalgebür von 12,50 Euro kassiert. Wie immer: In der Kneipe ist das Boot etwas unter zehn…
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Was lange liegt wird faul…
Das gilt nicht nur für das Gemüse im Netz über der Pantry. So faltig, wie die Tomaten dort mit der Zeit geworden sind, kräuselt sich auch meine Stirn seit einigen Tagen. An Weitersegeln ist nicht zu denken. Hätte ich keine weiteren Termine, würde ich wohl das Boot langsam darauf vorbereiten, hier oben zu überwintern. Donnerstagabend…
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Rumlungern
Wow… so verfliegen Tage. Eben noch saß ich bei 25 Grad in kurzen Hosen auf Ruhnu, dann war ich in Karlskrona und nun liege ich schon die dritte Woche im Limfjord und schaue zu, wie die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Den letzten Warnschuss für Faulenzer unter Segeln bescherte mir heute morgen der…
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Schleichweg in die Nordsee
An Schlaf war kaum zu denken. Entlang der offiziellen Dampferrouten im Kattegatt reihten sich, wie an einer weihnachtlichen Lichterkette, die Positionslaternen der Frachtschiffe auf, zwischen ihnen zogen weiß-grüne Topplichter ihre Schleppnetze durch die aufgewühlte Ostsee. Letztere haben Vorfahrt, die anderen entscheidend mehr Masse. Kommt Ruhe auf, unterbricht die Küstenfunkstelle Lynby Radio mit der immer wiederkehrenden…
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Der Gleichmut des Fahrtensegelns
Hier sitzen sie wie in einer Bahnhofshalle auf gepackten Koffern: Deutsche, Niederländer, Engländer. Alle warten auf den Anschluss für den weiteren Weg in die Heimat. Sie warten nicht auf ein Schiff, sondern auf den richtigen Wind für ihr Schiff. Nord, Süd, Ost. Nur nicht der Südwest, der seit Tagen zwischen fünf und acht Beaufort weht.…
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Déjà-vu
Orientierungslos, inmitten einer grauen Masse stecke ich den Kopf wieder aus dem Niedergang. Neben mir ziehen Frachter als graue Geisterschiffe an Ölands Südspitze vorbei. Die Überfahrt begann ich mit Badehose, jetzt trage ich langes Unterzeug, die dicke Öljacke und Handschuhe. Der Wind ist vollkommen eingeschlafen, Stattdessen kündigt sich mit leichtem Grummeln das erste Gewitter des…
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Area to be avoided
Südlich von Gotland wird es enger. Die 25 Minuten Schlafpausen fallen dem Deep-Water-Way zum Opfer, der sich wie eine Transitautobahn vom Skagerrak bis St. Petersburg durch die Ostsee zieht. Über Nacht hat der Wind etwas nachgelassen, allerdings auch etwas Richtung Südwest gedreht. Paulinchen segelt mit 5,5 Knoten – statt Bornholm liegt nun hoch am Wind…
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Seetag
Dösen, Wachen, Lesen… Alltag auf See ist selten spannend. Gegen Nachmittag nimmt der Wind langsam weiter zu. Reffen! Beim ersten Gedanken und keine Minute später. Über die Cockpit-Uniform, kurze Hose und Polohemd, kommt die Vorschiffsgarnitur: Ölhose, Jacke, Rettungsweste, Lifebelt. Paulinchen bockt und mein Gewicht auf dem schlanken Vorschiff verringert den Anteil überkommender Wellen nicht gerade.…
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Gute Nacht
Auf Ruhnu gab es noch Pfannkuchen zum Frühstück. Im strahlenden Sonnenschein, bei 25 Grad im Cockpit. Der ganze Hafen schien etwas unter Katerstimmung zu leiden: Überall gedämpfte Stimmen, träge Hände, die Leinen loswerfen. Am Abend vorher wurde auf Ruhnu gefeiert. Bis zwei Uhr hämmerte die Musikanlage ihre Bässe weit in den Meerbusen hinaus. Gejole, Tanzen…
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Nachtrag: Ankunft in Riga I
Wieder Morgengrauen, wieder kriecht morgendliche Feuchtigkeit langsam unter das Ölzeug. Die Riga Bucht passierten wir bei Nacht. Anfang August ist von den kurzen Nächten des hohen Nordens nicht mehr viel zu sehen. Langsam hüllten sich Himmel und Wasser in ein gleichmäßiges Schwarz, gaben die Bühne frei für tausende kleiner weißer Punkte. Ich liege auf dem…